Presse

Großblumiges im Papier-Dschungel

Bocholter Report
29.01.2011
Bocholter Report

Mit Schippe und Schubkarre in die Selbstständigkeit

Von Jan-Philipp Jenke

Bocholt. Gartenfreunde warten sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen. Auch Sven van den Berg fiebert dem Frühlingsbeginn entgegen. „Spinnereien" will der Garten und Landschaftsbauer jetzt Taten folgen lassen. Er riskiert den Schritt in die Selbstständigkeit - mit 24 Jahren. Und sagt: „Was soll passieren?“

Sven van den Berg

„Erst gestern Abend habe ich den Business-Plan fertiggestellt“, ist Sven van den Berg sichtlich erleichtert. Dabei stört er sich an dem etwas „geschwollenen“ Wort. Der Begriff Unternehmenskonzept sei ihm lieber. Freitag muss er das Konzept bei der Agentur für Arbeit vorstellen. Es geht um staatliche Fördergelder. Van den Berg ist zuversichtlich, die Voraussetzungen für einen Gründungszuschuss als Förderung aus der Arbeitslosigkeit zu erfüllen.

Schon seit einiger Zeit träumt der 24- Jährige mit seinem Freund und Kollegen Johannes Telaar (22 Jahre) von der Selbstständigkeit. „Wenn man immer davon spinnt, muss irgendwann auch was kommen“, so van den Berg. Das klare Ziel sei immer da gewesen, haben beide bereits auf Baustellen über die Existenzgründung „rumgeflachst“. „Der Betrieb zeigte Verständnis, dafür macht man ja schließlich den Meister“, fügt der Garten- und Landschaftsbaumeister hinzu. Zunächst startet er als Einzelunternehmen, dann geht es im Sommer als GbR - (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) - richtig los.

Woher kommt das Selbstbewusstsein der Jungunternehmer? „Wir sind voller Ideen und möchten in Eigenregie gestalten“, erklärt er, „auf der Baustelle musste man uns in unserem Tatendrang auch schon mal bremsen.“ Diese Energie kam bei den Kunden gut an. „Jung und dynamisch“, so das positive Feedback. Und natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt bei der Entscheidung zur Selbstständigkeit eine Rolle. Allerdings müsse man viel Zeit investieren, weiß der angehende Gründer. „Wir haben auf der Baustelle gut zusammengearbeitet und verstehen uns auch privat ganz gut“, so wollen sie sich die neuen Aufgaben teilen, um den Aufwand besser zu bewältigen - Hand in Hand eben.

Erfolg mit jungem und dynamischem Konzept

Ende vergangenen Jahres wurde es konkret und beide setzten sich mit ihrem Steuerberater zusammen. Das noch fehlende Grundlagenwissen holten sich die beiden bei einem Existenzgründungsseminar.

 

Dieses wird regelmäßig vom Institut-Gründungsoffensive. de (iNGO) im Innocent Bocholt angeboten. Jetzt beherrscht eine Menge Papierkram die Gründungsvorbereitungen... Finanzplan, Gewinn- und Verlustrechnung. „Die Agentur für Arbeit hat uns in unserem Vorhaben sehr bestärkt“, verrät van den Berg. Nachdem jetzt der Business- Plan steht, muss das Gewerbe bei Handwerkskammer und Gewerbeamt angemeldet werden.

Dabei behält der Jung-Unternehmer den Überblick. „In der Meisterschule habe ich viel über Buchhaltung und Steuern gelernt“, so versteht er die betrieblichen Zusammenhänge und will möglichst viel selber erledigen. Am 1. März soll es soweit sein. Van den Berg: „Im Sommer kommt mein Freund dazu, dann starten wir richtig durch.“ Der besucht zurzeit die Meisterschule im Gartenbauzentrum Essen. Van den Berg hat bereits vor zwei Jahren seinen Meister gemacht. Und genau darauf beruht das Alleinstellungsmerkmal des Konzeptes. „Es ist etwas Neues: zwei junge Meister bieten qualitativ hochwertige Handwerksleistung im Garten- und Landschaftsbau“, und vermitteln somit einen seriösen Eindruck. „Eine Idee, die auch Peter Neuwald vom Institut - Gründungsoffensive.de begeisterte, weil sich die Beiden aus unternehmerischen Motiven voller Elan mit entsprechender Sachkunde an die Arbeit machen. Gute Vorbereitung und fachliche Kompetenz verschaffen uns auf einem hart umkämpften Markt Wettbewerbsvorteile“, blickt van den Berg zufrieden auf das Existenzgründungsseminar zurück, das in der vergangenen Woche stattfand.

„Klappt nicht, gibt`s nicht“

Damit steht das geplante Unternehmen auf soliden Füßen. Ängste hat van den Berg kaum. „Klappt nicht, stand nie im Raum“, hat er keine Zweifel, „das Gute an der Branche ist, man kann sich mit Schippe und Schubkarre selbstständig machen.“ Ein Grundsortiment mit Handwerkszeug und Maschinen haben beide in den vergangenen Jahren angesammelt. „Wir sind gut ausgestattet. Was kann schlimmstenfalls passieren?“, beunruhigt den 24-Jährigen seine Zukunft wenig. Falls es nicht klappt, sieht er kein Problem wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückzukehren.

Die einzige Befürchtung, die van den Berg hat, ist der kommende Winter: „Wir müssen Rücklagen bilden und für eine gute Planung in den Winter hinein sorgen - der letzte war schon schwierig.“ Das Wetter spielt in der gesamten Planung eine zentrale Rolle.

Keine komischen Namenspiele

Damit der Start gelingt, muss sich das Duo einen Kundenstamm aufbauen. „Wir wollen eine gute Dienstleistung bieten und mit Sauberkeit und Qualität punkten, so wie wir es im Ausbildungsbetrieb gelernt haben“, blickt er positiv auf die Lehre bei Garten Meteling zurück. Er weiß. „Der Kunde guckt einem immer auf die Finger und da muss man fleißig agieren, um den Kunden zu überzeugen.“ Und wenn das gelingt, sind auch die gesteckten Ziele erreichbar: Angestellte, Auszubildende, ein großes Maschinensortiment wollen sie sich gesund erwirtschaften. Und in zehn Jahren wäre eine GmbH ein Thema. Ach ja, welchen Namen bekommt eigentlich das Ganze. „Ich weiß nicht, ob ich das verraten soll“, überlegt van den Berg kurz und sagt dann, „Grandiflora, das bedeutet so viel wie großblumig.“ Lange haben van den Berg und Telaar darüber gegrübelt, wollten im Metier bleiben und keine komischen Experimente mit ihren Eigennamen machen. Das ist gelungen und gilt hoffentlich auch für den Start in die Selbstständigkeit.

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